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Die Autorin

Ein paar Worte zu mir: Ich bin praktische Ärztin mit einer zusätzlichen Ausbildung in naturheilkundlicher Medizin. Beim Münchner Arbeitskreis für Psychotherapie habe ich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson erlernt, um Patienten einer Klinik für Rehabilitation und Naturheilverfahren in diese Methode einzuüben. Dort war es auch meine Aufgabe, regelmäßig Schulungsprogramme zur Stressbewältigung durchzuführen. Daneben leitete ich langjährig Kurse an Volkshochschulen und den örtlichen Krankenkassen zu dieser Thematik.

 

Interview vom 20.03.2008

Redaktion: Frau Dr. Stelzl, Sie haben Ihren Kurs über die Muskelentspannung nach Jacobson das "Easy Relax Program" genannt, warum?

Dr. Gisela Stelzl: Nun, der Kurs wird im Internet angeboten und die Sprache des Internets ist vorwiegend englisch/amerikanisch. Ausserdem kommt die hier vorgestellte Entspannungsmethode aus dem amerkanischen Raum. Es soll gleichzeitig eine Reverenz gegenüber dem Beschreiber der Muskelentspannung - Edmund Jacobson - sein. Ihm verdanken wir diese Methode, er hat die Grundlagen erarbeitet und viel darüber geforscht. Er hat seiner Methode den Originalnamen "progressive Relaxation" gegeben. Das ist ein weiterer Grund für die Namensgebung meines Kurses. Und schließlich halte ich diese Methode für einfach erlernbar, also "easy".

Redaktion: Was ist das Ziel Ihres Kurses?

Dr. Gisela Stelzl: Ich möchte ihnen mit diesem Kurs einen einfachen und gangbaren Weg zeigen, rasch und wirkungsvoll abzuschalten, sich zu erholen, ein wenig Spaß zu haben, psychisch aufzubauen und die Konzentration zu verbessern. Dies hilft vor allem den jüngeren Menschen im Zusammenhang mit Prüfungsvorbereitungen. Die Angst davor ist oft ein großes Problem und drückt Leistungen, die sonst durchaus besser möglich wären.

Redaktion: Warum sollten gerade die jungen Menschen eine Entspannungmethode beherrschen?

Dr. Gisela Stelzl: Die jungen Menschen sind heutzutage in einem sehr viel höheren Maße gefordert wie wir es zu unserer Zeit waren. Ich weiß, mir werden jetzt Etliche widersprechen. Aber es ist nun einmal so, dass wir sehr viel weniger Ablenkungsmöglichkeiten hatten. Die Welt ist viel hektischer, lauter, rasanter geworden.

Redaktion: Halten Sie die Muskelentspannung nach Jacobson also für die Jüngeren besonders geeignet?

Dr. Gisela Stelzl: Sicherlich gilt diese Aussage nicht für jeden. Die meisten jungen Menschen treiben Sport und sind daher für Dinge besser motivierbar, die sie sich an ihrem Körper vorstellen können. Anders gesagt: Ein Erspüren der Körperreaktionen bei der Übung ist wichtig. Dabei muss man nicht viele Kilometer Joggen oder sich anderweitig körperlich verausgaben um die gewünschte Entspannung zu erlangen. Das Erspüren des eigenen Körpers ist zentraler Kern und daher kann diese Methode auch zwischendurch - beispielsweise in einer Arbeitspause oder vor einer wichtigen Besprechung - angewendet werden. Das macht diese Methode besonders interessant für eine junge Zielgruppe! Generell ist dem Alter aber natürlich keine Grenze gesetzt.

Redaktion: Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit der Muskelentspannung?

Dr. Gisela Stelzl: Zunächst habe ich das "Autogene Trainung" praktiziert und an meine Kursteilnehmer vermittelt (seit 1979). Obwohl ich die meisten Kursteilnehmer überzeugen konnte, blieb doch immer ein gewisser Rest der Teilnehmer dieser Methode gegenüber skeptisch. Deshalb habe ich mir dann die Qualifikationen für die Muskelrelaxation erworben. Seit nunmehr ca. 20 Jahren gebe ich sie an Patienten und Kurteilnehmer in Volkshochschulen und den Krankenkassen weiter - vor allem in Zusammenhang mit Stressbewältigungsprogrammen.

Redaktion: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Methode persönlich gemacht?

Dr. Gisela Stelzl: Um ehrlich zu sein, meine große Liebe (es ist eben die erste) gilt weiterhin dem autogenem Training. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass gerade für die sehr aktive jüngere Generation die Entspannung nach Jacobson der bessere Einstieg in Entspannungsreaktionen ist. Bei Ein- und Durchschlafstörungen, die bei mir zum Glück nicht allzu oft auftreten, ziehe ich auf jeden Fall Jacobson vor. Allerdings wähle ich dann die Form des Übens "nur in der Vorstellung" und diese ist dem Autogenen Training wiederum sehr nahe.

Redaktion: Welchen Stellenwert hat die Entspannungsmethode nach Jacobson?

Dr. Gisela Stelzl: Die progressive Muskelentspannung gehört zum festen Aus- und Weiterbildungsprogramm von Ärzten, die psychosomatisch tätig sein wollen. So haben es die Ärztekammern festgelegt. Das bedeutet: Diese Methode ist wissenschaftlich gut untersucht und anerkannt.

Redaktion: Was hat eigentlich dazu geführt, dass Sie sich als Ärztin so intensiv mit Methoden beschäftigen, die eigentlich im Bereich der Psychotherapie zuhause sind.

Dr. Gisela Stelzl: Nun, kein ernst zu nehmender Arzt kann ohne Psychologie auskommen. Der Arzt als solches kann schon allein durch seine Anwesenheit, seine Ausstrahlung, durch seine Zuwendung und Zuhören am Patienten viel Positives bewirken. Das habe ich sc hon im ersten Semester von Prof. Richter gelernt. Ich hatte an meiner Universität das große Glück, bereits damals (1962!) eine Einführungsvorlesung über Psychosomatik zu hören, dazu auch noch von einem so renommierten Universitätslehrer und vor allem Menschen wie eben Horst Eberhard Richter. Er nahm sich für die Medizinstudenten Zeit, Ihnen darzustellen, was neben dem reinen Lernstoff beachtet werden muss: Eben den Menschen als Einheit mit seiner geistig-seelischen Struktur und den körperlichen Gegebenheiten bzw. Krankheiten betrachten zu lernen und darauf ein Behandlungskonzept aufzubauen.

Redaktion: Haben Sie diese Anregungen dann auch erfolgreich umsetzen können?

Dr. Gisela Stelzl: Eigentlich müßten Sie diese Frage eher meinen Patienten stellen. Nun, ich habe es zumindest immer versucht. Nach Beendigung des Studiums und den notwendigen Weiterbildungsschritten habe ich erst einmal in eigener Praxis als niedergelassene praktische Ärztin gearbeitet. Später wechselte ich in eine Klinik für Rehabilitation und Naturheilverfahren. Dort konnte ich dann besonders intensiv an das anknüpfen, was bereits in jungen Jahren bei mir angeregt wurde.

Redaktion: Sie sind nun am Ende Ihrer aktiven beruflichen Zeit angekommen. Dennoch beschäftigen Sie sich weiterhin mit dieser Thematik.

Dr. Gisela Stelzl: Ja. Und es macht mir auch riesigen Spaß. Ich kann jetzt daran arbeiten ohne Zeitdruck, ohne störende Telefonate, ohne medizische Notfälle, ohne Nacht- und Wochenenddienste und ohne den leidigen Papierkram nebenbei erledigen zu müssen. Es ist mir wichtig, meine jahrzehntelange berufliche Erfahrung sinnvoll weiterzugeben.

Redaktion: Frau Dr. Stelzl, wir wünschen Ihnen und Ihren Kursteilnehmern viel Spaß und den erwünschten Erfolg mit dem Easy Relax Program.

Dr. Gisela Stelzl: Vielen Dank! - Ich werde Ihre guten Wünsche direkt an meine Kursteilnehmer weitergeben!

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